ALUMNI ASAE - Verein der Alumni Advanced Studies in Applied Ethics Uni Zürich

ALUMNI ASAE - Mitglied im Verein UZH Alumni, Alumni der Uni Zürich

 
 

 

 

 

 

 

 

 

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ALUMNI ASAE - UNI ZÜRICH

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Aktuell

 


Agenda 


13. Dez. 2018, 18.45: Ethik-Höck mit Prof. Dr. Dr. Nicola Biller-Andorno:   "Patientennarrative - Katalysatoren für eine gute Medizin" (niederschwellig zugängliche (Online-) Plattformen mit Interviews von Patientenerfahrungen)
Der Ethik-Höck findet diesmal in der Uni-Zürich, Zentrum statt: KO2-E-13


17. Mai 2019, 17.00: Vereinsversammlung kombiniert mit Besuch des Tierspitals der UZH, Vortrag von  Prof. Dr med. vet. Carla Rohrer-Bley Arbeitstitel: Hochtechnologisierte Tiermedizin.
Ort: Uni-Zürich, Winterthurerstrasse 190/52, Campus Irchel, 8057 Zürich statt. Genaue Raumbezeichung in der Ankündigung, ca. Februar 2019.


Aktuelles: Weiterbildungsseminare der ASAE

Studiengänge ASAE 2019 - 2021 (11. Jahrgang)


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Rückblick Ethik-Höck (20.11.18) mit Dr. med. Wolf Schweitzer : "Postmortale CT-Bildgebung in der rechtsmedizinischen Praxis und Forschung - Stand 2018 (Bericht)

Zum gegebenen Anlass stand glücklicherweise keine Alumna und auch kein Alumnus für ein Computertomogramm (CT) und schon gar nicht für eine Autopsie zur Verfügung. So mussten wir uns am Ethik-Höck mit Dr. med. Wolf Schweitzer im Institut für Rechtsmedizin mit Bildern anderer Menschen begnügen. Auch so waren Bilder und vor allem Erklärungen der Details hochinteressant, können doch allein auf Grund von Computertomogrammen eine Vielzahl relevanter Befunde zur Bestimmung von Todesursachen zuverlässig bestimmt werden. Für die Forensik ist insbesondere die Zuordnung zur Todesart (Tötungsdelikt, Suizid, natürlicher Tod oder Unfall) von entscheidender Bedeutung.
Wolf Schweitzer zeigt an Hand von CT-Bildern von Leichen im Altersspektrum von 20 bis 95 auf, dass es häufig mit sorgfältiger Arbeit gelingen kann, die vermutete Art des Todes zu bestätigen oder sonst zu bestimmen. Dabei komme ihnen entgegen, dass es z.B. bei einem Sturz aus grosser Höhe oder anderen Todesfällen typische Verletzungen gebe, die sie auf den CT-Bildern auch gut erkennen könnten.

Er erwähnt zudem, sie seien auch bei einem assistierten Suizid schon angefragt worden, ob sie bestätigen könnten, dass Urteilsunfähigkeit vorgelegen habe. Ganz so einfach ist die Antwort hier allerdings nicht. (Bericht).



Rückblick Ethik-Höck (17.10.18) mit PD Dr. Dominique Kuenzle : "Ich hab's ja nicht so gemeint": Über unabsichtlich sexistischen Sprachgebrauch (Bericht inkl. Präsentation)

Take-Aways:

·        Aufmerksamkeit auf sexistische Sprachverwendung ist gerechtfertigt

·        Auch bei der Sprache gibt es Wirkungen analog zum "Broken-Windows-Effekt"

·        Sexistische Sprache – auch ohne Absicht – wirkt normverschiebend

·        Akzeptierte Normverschiebungen lizenzieren weitergehende Normverschiebungen

·        Der Prozess der Veränderung von Normen kann fast unmerklich schleichend erfolgen

·        Die Anonymität in den Social Media erleichtert sexistischen Sprachgebrauch

·        Auch Männer sind von sexistischer Sprache betroffen, allerdings in wesentlich geringerem Ausmass als Frauen

·        Im Alltag ist die Anwendung gendergerechter Sprache kein Spaziergang

Bericht und Präsentation



Rückblick Ethik-Höck (11.9.18) mit Dr. Ricco Bonfranchi: Suizid: Aus Fürsorge verhindern oder Selbstbestimmung respektieren? (Bericht und Präsentation)

"Alle sagen, ich sei ein Fehler. Meine Mutter, mein Vater, meine 3 Schwestern. Ich weiss nicht mehr weiter…. Ich stehe schon 20 Minuten vor einer Tablettenpackung". Mit diesen Worten beginnt ein (hier anonymisiertes) E-Mail einer Hilfe suchenden Frau an die Dargebotene Hand. Es geht ums Letzte, um den Tod. Dr. Riccardo Bonfranchi zeigt in seiner Antwort auf, wie er versucht, das Gespräch (im E-Mail-Verkehr) empathisch aufzunehmen und einen Ansatzpunkt für eine positive Perspektive zu finden.

Im ersten Teil der Präsentation unseres Gastes standen philosophische Beurteilungen des Suizids im Vordergrund und im zweiten Teil lag der Fokus auf den praktischen Fragen bei der Arbeit für die "Dargebotene Hand" bzw. für das "143", wie der Dienst oft genannt wird.

Ricco Bonfranchi betont, dass die textlich ausführlichen Folien der Präsentation mehr als Zusammenfassung gedacht seien. Da in diesem Rückblick Bezug auf die Präsentation genommen wird und da insbesondere die Aussagen der Philosophen nicht nochmals dargestellt werden, ist es deshalb sinnvoll, die Folien zuerst zu lesen (vgl. Präsentation).

Im Bericht hier liegt der Schwerpunkt auf den Themen 

  • Entkriminalisierung
  • Entmoralisierung
  • Entpathologisierung
  • Enttabuisierung
  • Entstigmatisierung

Daneben kommen auch eine Reihe von praktischen Aspekten aus der Beratung bei der Dargebotenen Hand zur Sprache. Gemeint sind Diskussionen zu Suizidmethoden und "Empfehlungen", was zu beachten ist, wenn der Entscheid zum Suizid gefällt ist, z.B.: "Bitte nicht unter den Zug!"  (Bericht und Präsentation).

 



Rückblick Ethik-Höck (9.7.18) mit PD Dr. Manuel Trachsel: "Zwang in der Psychiatrie" (Bericht und Präsentation)

 Nein: Urteilsunfähigkeit ist keine (gesetzliche) Bedingung für die fürsorgerische Unterbringung (FU) in eine Klinik.

Und nein: Eine Patientenverfügung ist für den Psychiater nicht verbindlich.

Nochmals nein: "Vernunftgemässes" Handeln als Bedingung für die Urteilsfähigkeit ist nicht an einem objektiven Massstab oder an der Vernunft der beurteilenden Psychiaterin zu messen.

Ja: Isolation und Fixation sind oft gut gemeint, können aber nicht selten grossen Schaden erzeugen (z.B. Posttraumatische Belastungsstörung)

Und ja: Die Urteilsfähigkeit gilt für eine bestimmte Situation, einen bestimmten Entscheid und zu einer bestimmten Zeit und nicht allgemein und nicht permanent.

Nochmals ja: Die Auflösung des Spannungsfeldes der moralischen Prinzipien Selbstbestimmung – Fürsorge ist die grosse ethische Herausforderung für die Psychiatrie. 

Diese Punkte fassen ein paar wichtige Erkenntnisse zusammen, welche die Alumni am Ethik-Höck mit Dr. Manuel Trachsel mit nach Hause nehmen konnten. Warum und wieso diese Ja und Nein gelten, mag auf den ersten Blick nicht klar erscheinen, ist aber letztlich plausibel. Manuel Trachsel hat in einer übersichtlichen und gut verständlichen Präsentation die wichtigsten Fragen zu Zwangsmassnahmen in der Psychiatrie erläutert. Im bebilderten Rückblick werden einige wenige Themen aufgenommen und ein paar Aspekte diskutiert, welche teilweise auch von den Alumni eingebracht wurden. Dazu gehören insbesondere Erläuterungen zu den obigen hervorgehobenen Punkten und beispielsweise der Wechsel von der deskriptiv medizinischen auf die normative Seite bei der Bestimmung der Urteilsfähigkeit.


 


Rückblick Ethik-Höck (25.4.18)mit Nina Streeck: "Gut sterben. Authentizität als ethisches Ideal am Lebensende" (Bericht und Präsentation)

Am "runden Tisch" (bzw. am Spitalbett) sitzen der Patient, seine Partnerin, seine Kinder sowie die Ärztin und das Pflegepersonal. Ein Entscheid steht an. Die Diagnose ist eindeutig: Die Aussicht auf Besserung ist verschwindend klein. Die Ärztin erläutert die Situation und stellt die möglichen nächsten Schritte (Therapieabbruch?) dar. Der Patient hat alles verstanden und eröffnet nach Absprache mit den Angehörigen und eingehender Reflexion seinen selbstbestimmten Entscheid:- Patient A entscheidet sich für konsequente Schmerzbekämpfung notfalls bis zur palliativen Sedierung. Da er aller Voraussicht innerhalb der "DRG-Zeit" von 14 Tagen sterben wird, kann er, seinem Wunsch entsprechend, auf der Palliativstation bleiben.- Patient B entscheidet wegen seiner katholischen Überzeugung, dass er nur wenig Schmerzbekämpfung haben will. Das Leiden gehöre zum Leben und so wolle er den letzten Weg gehen.- Patient C, ein Atheist, macht Bilanz und entscheidet sich für den Abgang mit einer Suizidhilfe-Organisation.

Klar, selbstbestimmt und heroisch wählen die Patienten ihren eigenen Weg. Das Ideal der Selbstbestimmung und des Informed Consent ist erfüllt. Ist damit die Frage des guten Sterbens gelöst und abgeschlossen?Nein, Nina Streeck, unser Gast am Ethik-Höck würde die Geschichten sicher nicht so zugespitzt darstellen. Und nein, ganz so trivial ist die Frage des guten Sterbens nicht.

Warum Nina Streeck das gegenwärtige populärste Sterbeideal einem qualifizierten Subjektivismus (Theorie des guten Lebens) zuordnet und was es mit dem Phänomen der Verkehrung auf sich hat, erläutert Nina im Rahmen ihrer Einleitungspräsentation (vgl. Bericht und Präsentation). Weil unsere Freiheit auch eine Kehrseite hat, muss das obige Bild der möglichen Patienten mit einem Patienten D ergänzt werden, der sich nicht so wie die drei anderen verhält.

Es versteht sich von selbst, dass in der Diskussion am Ethik-Höck Stichworte und Themen wie Advance Care Plannung, Shared Decision Making sowie allgemein die Frage des Entscheidens und der Verantwortung einen grossen Platz einnahmen. Beim Sterben authentisch zu bleiben ist offensichtlich keine leichte Aufgabe. Wem das alles zu kopflastig ist, findet im Bericht auch die kurze Geschichte zum Schoggi-Joghurt und ein paar bildliche Eindrücke des Diskussionsabends. (Bericht mit Präsentation).

 

 


Rückblick Rahmenprogramm anlässlich der GV (13.4.18) mit Tristan Brenn, SRF: "Medienethik" (Bericht)

"Hätten wir diesen Film mit dem Brückeneinsturz und dem Tod der Familie nicht zeigen sollen?", war die Start-Frage von Tristan Brenn zu einem Beitrag der Sendung 10vor10 von Ende August 2017. Die Abstimmung unter uns Alumni war nicht ganz eindeutig, mit einem leichten Übergewicht fürs "Zeigen".
In SRF-internen Diskussionen kam man im Nachhinein zum Schluss, dass man den Film so nicht hätte zeigen sollen. Die Informationsplicht war zwar erfüllt, aber es spielen noch andere Prinzipien eine wichtige Rolle. Welche Grundsätze gegen die Informationspflicht und die Bilder abzuwägen sind, erklärte und Tristan Brenn, Chefredaktor TV bei SRF anlässlich des Rahmenprogramms zur GV 2018.

Tristan Brenn konfrontierte uns mit mit verschiedenen andern Fragen, welche die Redaktoren und Produzentinnen immer wieder und meist unter grossem Zeitdruck beantworten müssen: So nennt SRF keine Namen von Tätern und Opfern und zeigt auch deren Gesichter nicht. Aber es gibt Ausnahmen und wie immer Grenzfälle. Welches sind die Kriterien für Namensnennung und wie machen es andere Medien? Muss man mit der Berichterstattung warten, bis der Betroffene das Buch gelesen hat, in dem er angeschuldigt wird? Welche Regeln gelten bei Diktatoren wie z.B. bei Muammar al-Gaddafi? Warum wird der Verifizierungsprozess bei Nachrichten immer schwieriger?

Antworten hierzu sind im Bericht zu finden. Dort erfährst Du auch, dass ein schwarzer Bart im Fernsehen eindeutig vorteilhafter ist als ein weisser. Ein paar Fotos im Bericht geben einen Einblick in Studios von SRF und einen Eindruck von der GV bzw. dem Abendessen der Alumni ASAE.



Rückblick Ethik-Höck mit Lukas Nägel: "Moralische Forderungen und ihre Grenzen" (Bericht und Präsenttion)

Was sind moralische Forderungen und welche Grenzen haben sie? Manche Moraltheorien oder -prinzipien verlangen uns unter bestimmten Umständen so viel ab, dass sie von vielen für zu anspruchsvoll gehalten werden. So scheint es dem klassischen Utilitarismus zufolge etwa gefordert zu sein, dass wir in der gegebenen Situation beinahe unsere gesamten zeitlichen und materiellen Ressourcen zugunsten anderer einsetzen. Könnten wir also tatsächlich sogar dazu verpflichtet sein, unser ganzes Leben gleichsam für die Moral hinzugeben? Oder lassen sich solche Forderungen als überfordernd zurückweisen?
Im Alltag helfen gelegentlich Zitate aus dem grossen Buch der Ausreden, um uns selbst zu belügen. Auch eine Grafik der Kosten als Funktion des moralischen Ertrags kann vielleicht helfen die Frage besser zu verstehen. Kant spricht von "vernünfteln", wenn es darum geht unerwünschte bzw. unangenehme Pflichten abzulehnen. Am Ethik-Höck jedoch stehen neben Überlegungen von Kant auch andere gute Gründe und eine zumindest angestrebte differenzierte Betrachtung der Alumni im Vordergrund.  (Bericht und Präsentation).



Rückblick Ethik-Höck mit Mira Wolf-Bauwens: "Politische Mitbestimmung, und wenn ja, wieviel?" (Bericht und Handout)

"Selbstbestimmung lädt zur Diktatur ein" war am 9. Oktober im Zusammenhang mit dem Konflikt in Katalonien auf der Webseite der Sueddeutschen Zeitung zu lesen (http://www.sueddeutsche.de/kultur/katalonien-und-europa-selbstbestimmung-laedt-zur-diktatur-ein-1.3699149 ). Wäre so ein Titel (ohne Fragezeichen!) auch von einem in der Schweiz sozialisierten Redaktor möglich? Das war selbstverständlich nicht die zentrale Frage am Ethik-Höck. Aber ein interessanter Aspekt in der Mitbestimmungsdiskussion wurde damit angesprochen.

Mira Wolf-Bauwens, unser Gast am Ethik-Höck, gab eine mögliche Antwort, indem sie eine Anekdote erzählte: Sie sei in repräsentativen Demokratien sozialisiert worden und habe einmal einen Schweizer Kollegen gefragt, was er davon halte, dass in der Schweiz die souveräne Regierung ihn und seine Mitbürgerinnen bei kleinen und grundsätzlichen Sachfragen mitbestimmen lasse.

Das Erstaunen des Kollegen zeigte sich in seiner knappen und treffenden Antwort. Weitere spannende Fragen der Diskussion betrafen die Wertstabilität durch demokratische Prozesse, die Vertrauensfrage der Eliten in die Weisheit des Volkes und umgekehrt des Volkes in die Behörden sowie die Bewegung "Demokratie in Bewegung". (Bericht und Handout).




Rückblick Ethik-Höck mit Dr. Hubert Schnüriger: "Vergeben und vergessen. Wenn es doch nur so einfach wäre" (Bericht und Präsentation)

Soll man verzeihen? "Ja", sagt der Psychologe, "nein", die Moralphilosophin.

Es wäre unbeholfen, die Diskussion am Ethik-Höck zum Thema "Vergeben und vergessen" so zusammenzufassen, aber einen wahren Kern beinhaltet die verkürzte Darstellung gleichwohl. Es gibt oft gute (prudentielle) Gründe für das Verzeihen: Wenn das "Nachtragen" des mit all den Fehlern des Täters gefüllten Rucksackes die Last immer schwerer macht, so bringt Vergeben meist Erleichterung. Schopenhauer dagegen meint: "Vergeben und vergessen heisst kostbare Erfahrungen zum Fenster hinauswerfen." Dass beide Antworten ihre Berechtigung haben, wurde am Ethik-Höck mit Dr. Hubert Schnüriger klar. Unser Fokus war jedoch nicht die psychologische Lebenshilfe, sondern die philosophische Analyse.

 

Hubert Schnüriger stellte zu Beginn seiner Präsentation zwei Fragen in den Vordergrund:
 

  • Was verstehen wir unter "vergeben"?
  • Unter welchen Bedingungen      darf - oder muss - ein moralisches Fehlverhalten vergeben werden?
          

Die erste Frage, jemandem zu verzeihen, erzeugt allgemein keine grossen Debatten, obwohl die Antwort nur auf den ersten Blick trivial ist. So ist z.B. die Versöhnung und nicht eigentlich das Verzeihen im politischen Kontext entscheidend, damit überhaupt ein Schritt weg von der Rache und dem Zorn gemacht werden kann. Wovon ein Verzeihen abhängig sein soll, wird aber sowohl in der (philosophischen) Literatur als auch am Ethik-Höck kontrovers beurteilt. Und, warum die oben aufgeführten sogenannten prudentiellen Gründe im familiären Umfeld unbestritten, aber beim Verzeihen von Naziverbrechen zu grossen Debatten führen können, war ein spannendes Ergebnis des Abends. (Bericht mit Präsentation).



Rückblick Ethik-Höck mit Dr. des. Anna Zuber: "Nahrungsmittelspekulation und das Problem der Beweislast? (Bericht mit Präsentation)

Das Fazit unserer Diskussion mit Dr. des. Anna Zuber war nicht gerade aufbauend: Die Probleme der volatilen und der für arme Länder hohen Nahrungsmittelpreise sind weder mit einer besseren Verteilung, noch mit weniger Foodwaste bzw. einer Einschränkung unseres Konsums und offensichtlich auch nicht mit einem Verbot der spekulativen Finanzprodukte zu lösen. Die Fragen bei der Bekämpfung der Armut und des Hungers sind komplex und einfache Massnahmen helfen wohl in Teilbereichen, aber das Grundproblem der grossen Unterschiede in der Kaufkraft der Menschen bleibt. In der medialen Diskussion der vergangenen Jahre hatten die Banken und Spekulanten ihr Fett abbekommen, zum Teil sicher zu unrecht. Die NGOs hatten lobenswerterweise auf die Folgen der hohen und volatilen Nahrungsmittelpreise aufmerksam gemacht. Nicht gerade vorbildlich war deren Schuldzuweisung an die Spekulanten, welche weniger auf Fakten und Logik sondern auf viel Vermutungen und Ideologie basierte. Allerdings, und das sei betont, auch "der Markt" löst das Problem nicht. Die Nahrungsmittelspekulation ist zudem kein neues Phänomen, wie die Geschichte von Joseph bzw. dem Pharao Ramses vor ca. 4000 Jahren zeigt.

Der Bericht diskutiert die im Fazit erwähnten Fakten und Zusammenhänge ebenso wie die Vermutungen und die heikle Schuldzuweisung sowie Fragen der Korrelation und Kausalität im Zusammenhang mit der Finanzkrise. Anna Zuber erklärt zudem, warum das Vorsorgeprinzip bzw. der Grundsatz "better save than sorry", obwohl aus NGO Sicht angebracht, bei der Spekulation mit Nahrungsmitteln nicht unbedingt zum Verbot führt, sondern eher die Spekulation stützt. Weiter kommen auch Fragen des Foodwaste, der Parallele bei Medikamenten und das Grundproblem des Marktes in armen Ländern allgemein zur Sprache. Letzteres zeigt sich, wenn Menschen nicht als Konsumenten am Markt teilnehmen können, weil sie einfach kein Geld haben und deshalb auch ohne Einfluss auf die Produktion bleiben. Schliesslich wird noch kurz dargestellt, wie Joseph vom Traumdeuter zum Getreide-Manager aufstieg und mit Lagerhaltung in guten Zeiten die Hungersnöte in Ägypten und umliegenden Ländern reduzieren konnte. (vgl. Präsentation und Rückblick).

Unser Gast, Dr. des. Anna Zuber hat sich im Rahmen ihrer Disser­tation eingehend mit der Frage der Nahrungsmittelspekulation beschäftigt. Die Zusammenhänge und Erkenntnisse hat sie in einem auch für Nicht-Finanzspezialisten verständlichen Buch (Publikation Oktober/November 2017) beschrieben:   http://www.metropolis-verlag.de/Nahrungsmittelspekulation-und-Ernaehrungssicherheit/1234/book.do.

In einem Interview im "Responsible-Investing-Blog" mit dem Titel "Marktlogik als Mittel gegen unzureichende Lebensmittelversorgung 'nicht angemessen' " geht Anna Zuber zudem vertieft auf einzelne Fragen ein:   http://responsible-investing-blog.com/marktlogik-als-mittel-gegen-unzureichender-lebensmittelversorgung-%E2%80%9Enicht-angemessen/02/2013/.


Rückblick Ethik-Höck mit Dr. Christine Schliesser: "Zivilcourge - eine 'christliche' Tugend? (Bericht mit Präsentation)

Nein, man muss nicht Christ sein, um zivilcouragiert zu handeln und nein, es wird auch nicht behauptet, dass das Christentum die Zivilcourage erfunden habe. Vielmehr war die These von Dr. Christine Schliesser, dass sich Zivilcourage – neben anderen Begründungssträngen – auch aus dem Christentum begründen lässt und zum Christsein "dazugehört".

Nach der Einführungspräsentation (vgl. Attachment) von Christine Schliesser wurden zuerst allgemeine Fragen zu Zivilcourage diskutiert: Was Bismarck mit dem Begriff zu tun hat, was bei Rechts- und Unrechtsstaaten zu beachten ist und inwieweit zivilcouragierte Handlungen sich im Legalen bzw. Illegalen abspielen? Zudem wurden Unterschiede zwischen Zivilcourage und zivilem Ungehorsam sowie «spontane» und «reflektierte» Handlungen von Zivilcourage als wichtige Aspekte erarbeitet. Praktisch wichtig ist im Übrigen, was die Polizei zum Thema empfiehlt (vgl. Bericht).

Die zentrale These, dass Zivilcourage eine christliche Tugend ist, begründete Christine Schliesser mit Überlegungen, wie sie Dietrich Bonhoeffer (Lutherischer Theologe, stark im Widerstand gegen Hitler und gegen den Nationalsozialismus engagiert) beschrieben hat.

Wichtige Elemente hierfür sind: Verantwortung, Bindung des eigenen Lebens an Gott und den Nächsten, Freiheit und Wirklichkeitsgemässheit. Bonhoeffer: "Civilcourage aber kann nur aus der freien Verantwortlichkeit des freien Menschen wachsen. …. Sie beruht auf einem Gott, der das freie Glaubenswagnis verantwortlicher Tat fordert und der dem, der darüber zum Sünder wird, Vergebung und Trost zuspricht."

In der Diskussion wurde nicht die Herleitung bzw. Begründung der These in Frage gestellt, welche als schlüssig angesehen wurde. Vielmehr gab es Kritik an grundsätzlichen Aspekten des heute gelebten Christentums und an den damit verbundenen «zivilcouragierten» Auftritten für Werte, welche spezifisch «christlich» sind und weniger z.B. Menschenrechten oder allgemein zentralen Werten entsprechen. Ein Alumnus meinte, in vielen Fällen erzeuge Zivilcourage auf «religiöser Basis» Abwehrreflexe bei Nichtreligiösen.

Christine Schliesser bezog sich auf den Philosophen Rorty, als sie hierzu einräumte, dass der Hinweis auf Gott und Religion in vielen Gesprächen und so auch beim Thema «Zivilcourage» wie ein «Konversationsstopper» wirken könne. (Bericht mit Präsentation)


Rückblick Ethik-Höck mit Dr. Philipp Schwind: Moral und der Zufall (Bericht)

Wie beurteilen wir eine Handlung, wenn wichtige Faktoren nicht unter der Kontrolle des Akteurs sind, sondern zufällig eintreten? Ganz einfach: Es gilt das "Kontrollprinzip" und das bedeutet, dass er nicht verantwortlich ist.

Der Philosoph Thomas Nagel hat die Frage des Zufalls in der Moral eingehend studiert und er kam zum Schluss, dass für das "Nicht-Zufällige" ein ausdehnungsloser Punkt ("extensionless point") bleibt. Die Konsequenz ist klar: Kontrollprinzip und moralische Urteile gehen nicht zusammen. Wir müssen eines davon aufgeben.

Das sind keine guten Aussichten, aber damit wir gleichwohl klar kommen, haben wir glücklicherweise den Ethik-Höck!

Mit Dr. Philipp Schwind diskutierten wir die Rolle des Zufalls für die Moral, insbesondere auch am fiktiven Beispiel von zwei Lastwagenfahrern, von denen der eine Glück und der andere Pech hat, weil ihm ein Kind vor den Lastwagen rennt und stirbt.

Der mit Fotos ergänzte Bericht beschreibt den Hintergrund zur Grundfrage und gibt Hinweise für Antworten auf das Paradoxon Kontrolle - Verantwortung. Wie die "Zufall-Unterteilung" für die Bereiche Resultate – Umstände – Charakter helfen kann, die Frage zu analysieren und warum halt gleichwohl Widersprüche bleiben, mit denen wir im Alltag recht gut leben, wird in kurzer Form erläutert. (Bericht)



Rückblick Vereinsversammlung: FIFA Ethikkommission (Bericht)

Wenn Du eine Fussballwette abschliessest, wen würdest Du bestechen?

Als Alumnus ASAE (und natürlich auch als Alumna) ist die Antwort klar: Niemanden! Auch würdest Du nicht im Fussball wetten, obwohl…

Die Frage ist jedenfalls nicht exotisch oder sinnlos, denn gewettet wird viel, vor allem im asiatischen Raum. Da zudem die Einsätze sehr hoch sind, ist die Versuchung gross. Den Goali oder den Schiedsrichter zu bestechen sei naheliegend, aber bei weitem nicht wirklich optimal, erläuterte Hans-Joachim Eckert, der Vorsitzende der FIFA-Ethikkommission am Diskussionsabend mit uns Alumni im FIFA Hauptsitz in Zürich. Es gäbe eine "bessere Lösung"!


Unsere Präsidentin, Agnes Genewein, brachte die Versammlung wie üblich in kurzer (Rekord-)Zeit von 15 Min. über die Bühne (Jahresbericht der Präsidentin). Der grösste Teil des Abends war neben dem Rundgang durch das Gebäude der FIFA folglich der FIFA Ethikkommission gewidmet.

Wir lernten im Vortrag und in der Diskussion mit Herrn Eckert, warum es sich nicht um eine Ethikkommission im üblichen Sinne handelt, warum das Ethik-Reglement Möglichkeiten für die Untersuchungsbehörden bietet, die wir im traditionellen Recht nicht haben, warum auch Beckenbauer letztlich gesprächig wurde, warum die Sanktionen wirklich weh tun und warum das Reglement auch präventiv wirkt.

Der Bericht gibt Antwort auf all die Fragen inklusive die "Empfehlungen" zur optimalen Bestechung und zeigt in ein paar Bildern, wie es im Innern des Gebäudes aussieht.


Sämtliche Berichte zu früheren Ethik-Höcks ( Berichte)



Der Verein Alumni ASAE ist die Alumni Organisation der Absolventinnen und Absolventen von Weiterbildungsprogrammen der ASAE- Advanced Studies in Applied des Ethik Zentrums der Universität Zürich.

Als Verein Alumni ASAE sind wir Mitglied im
Verein UZH Alumni (Vereinigung aller Alumni-Vereine und Chapter der Universität Zürich)